Diebstahl ist derzeit vor allem ein Medien- und Aufmerksamkeitsthema, kein allgemeiner Kriminalitätsanstieg. Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2025 des Bundeskriminalamts (BKA), veröffentlicht am 20. April 2026, gingen die erfassten Diebstahlsdelikte um 6,5 Prozent auf rund 1,81 Millionen Fälle zurück. Zugleich stiegen einzelne Bereiche wie Wohnungseinbruch und Taschendiebstahl deutlich an, und mehrere spektakuläre Fälle im Oktober 2026 hielten das Thema in den Nachrichten. Belastbare Zahlen für das Berichtsjahr 2026 liegen noch nicht vor.
Die PKS 2025 weist für alle Straftaten zusammen 5.508.559 Fälle aus, 5,6 Prozent weniger als 2024. Die durchschnittliche Aufklärungsquote lag bei 57,9 Prozent. Beim Diebstahl insgesamt betrug sie dagegen nur 31,4 Prozent und damit deutlich weniger als im PKS-Schnitt. Diese Lücke zwischen erfassten Fällen und geklärten Taten erklärt einen Teil der öffentlichen Wahrnehmung.
Beim Wohnungseinbruchdiebstahl verzeichnete die PKS 2025 genau 82.920 Fälle, ein Plus von 5,7 Prozent gegenüber 2024. Die Aufklärungsquote lag in diesem Bereich nur bei 14,1 Prozent. Trotz des Anstiegs blieb die Zahl unter dem Vor-Corona-Niveau: 2019 wurden 87.145 Fälle erfasst. Nach der Dunkelfeldstudie SKiD 2024 des BKA werden nur etwa 57 Prozent der Einbrüche angezeigt, vollendete zu 87 Prozent und versuchte zu 48 Prozent.
Taschendiebstahl ist 2025 laut BKA-PKS um 11,6 Prozent auf 107.720 Fälle gestiegen. Die Aufklärungsquote betrug lediglich 6,9 Prozent, sodass die meisten Taten ungeklärt bleiben. Öffentliche Aufmerksamkeit entsteht daher oft aus der Kombination von steigenden Fallzahlen und geringer Aufklärung. Der Bereich zählt zu den Delikten, die trotz insgesamt rückläufigem Diebstahl auffallen.
Beim Fahrraddiebstahl registrierte die PKS 2025 rund 214.264 Fälle, 12,9 Prozent weniger als 2024, bei einer Aufklärungsquote von 9,7 Prozent. Der Kfz-Diebstahl ging um 7,9 Prozent auf etwa 37.300 Fälle zurück, mit einer Aufklärungsquote zwischen rund 25 und 30 Prozent. Diebstahl aus Kraftfahrzeugen nahm um 5,8 Prozent auf etwa 245.000 Fälle ab, bei einer Aufklärungsquote von 5,8 Prozent.
Die PKS 2025 listet rund 418.000 Fälle von Ladendiebstahl, 3,9 Prozent weniger als 2024. Die Aufklärungsquote liegt hier bei 89,3 Prozent, weil Täter häufig direkt im Geschäft erfasst werden. Diese Zahl bildet jedoch nur angezeigte Fälle ab: Nach Angaben des MDR vom 24. August 2026 bleiben 98 Prozent aller Diebstähle im Einzelhandel unentdeckt. Bei Kindern unter 14 Jahren wurden etwa 26.000 Ladendiebstähle erfasst, 2021 waren es 17.932; bei Jugendlichen ging die Zahl von 27.101 im Jahr 2021 auf rund 19.000 zurück, wobei diese Werte vom Anzeigeverhalten des Einzelhandels abhängen.
Die EHI-Studie vom Juni 2026 für das Jahr 2025 beziffert die Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel auf 5,11 Milliarden Euro, ein Plus von 3,2 Prozent. Davon entfallen 3,05 Milliarden Euro auf Kundendiebstahl, geschätzt rund 24,8 Millionen unentdeckte Fälle. Organisierte Gruppen werden für etwa 1 Milliarde Euro verantwortlich gemacht, und der MDR berichtete am 24. August 2026 von Einzelhandelsverlusten über 4,3 Milliarden Euro.
Kraftstoffdiebstahl wird verstärkt auf Baustellen und an Lastkraftwagen gemeldet. In Sachsen-Anhalt wurden unter anderem 15.000 Liter Diesel entwendet, der Schaden lag bei etwa 35.000 Euro. Solche Fälle werden häufig erst bei Abrechnungen oder Tankkontrollen entdeckt, was die Erfassung erschwert. Verlässliche bundesweite Zahlen zu diesem Delikt liegen in der PKS 2025 nicht als eigener Posten vor.
Anfang Oktober 2026 wurde in Heilbronn eine internationale Bande zerschlagen, die auf Keyless-Go-Fahrzeuge spezialisiert war. Nach Angaben des SWR vom 8. und 9. Oktober 2026 werden der Gruppe 43 Autodiebstähle mit einem Schaden von etwa 1,5 Millionen Euro zugerechnet; vier Festnahmen erfolgten in Tschechien, Polen und Italien. Keyless-Go bezeichnet Systeme, bei denen sich das Auto ohne Schlüsselbedienung öffnen und starten lässt, wenn der Schlüssel in der Nähe ist. Solche Fälle zeigen, wie technische Sicherung und organisierte Kriminalität zusammenwirken.
Neben den Autodiebstählen erregte ein Weinraub in der Toskana Aufmerksamkeit: Bei Marchesi Antinori wurden nach Bericht der Morgenpost vom 9. Oktober 2026 rund 30.000 Flaschen mit einem Beutewert von etwa 5 Millionen Euro entwendet. In Sachsen-Anhalt wertete das Landeskriminalamt nach Angaben der Volksstimme vom 11. Oktober 2026 Fälle von 542 gestohlenen Mährobotern und Rasentraktoren innerhalb von zwei Jahren aus, mit einem Schaden von 1,16 Millionen Euro. Der SPIEGEL berichtete am 11. Oktober 2026 über einen Prozess gegen eine rumänische Einbruchsbande. Diese Einzelfälle tragen zur aktuellen Präsenz des Themas bei.
Die PKS 2025 zeigt große Unterschiede bei der Aufklärungsquote: Während Ladendiebstahl mit 89,3 Prozent meist geklärt wird, liegt sie bei Taschendiebstahl bei 6,9 Prozent und bei Fahrraddiebstahl bei 9,7 Prozent. Beim Wohnungseinbruch sind es 14,1 Prozent. Eine niedrige Aufklärungsquote bedeutet nicht automatisch mehr Taten, sie beeinflusst aber die wahrgenommene Sicherheit und die öffentliche Debatte.
Die PKS 2025 zeigt bei Betrugsdelikten eine Verlagerung ins Digitale: Auslandstaten nahmen um 7,0 Prozent zu. Die Schadenssumme im Ausland stieg um 65,1 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Diese Entwicklung fällt zeitlich mit dem Rückgang beim klassischen Diebstahl zusammen. Ob ein direkter Zusammenhang besteht, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten.
Die Dunkelfeldstudie SKiD 2024 des BKA liefert Hinweise darauf, wie viele Taten nicht in der Statistik auftauchen. Beim Wohnungseinbruch werden nur etwa 57 Prozent der Fälle angezeigt, bei vollendeten Taten 87 Prozent und bei versuchten 48 Prozent. Beim Ladendiebstahl geht der MDR davon aus, dass 98 Prozent der Fälle unentdeckt bleiben. Diese Dunkelziffern erklären, warum die PKS nur ein Teilbild zeigt.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordern als Reaktion auf die Entwicklung härtere Strafen und mehr Personal. Diese Forderungen beziehen sich auf die gestiegenen Fallzahlen in einzelnen Bereichen und die hohen Dunkelziffern. Der MDR berichtete am 24. August 2026 über diese Positionen. Konkrete Gesetzesänderungen lassen sich daraus noch nicht ableiten.
Die PKS 2025 weist bei Ladendiebstahl durch Kinder unter 14 Jahren rund 26.000 Fälle aus, 2021 waren es 17.932. Bei Jugendlichen sank die Zahl von 27.101 im Jahr 2021 auf etwa 19.000. Diese Angaben sind stark vom Anzeigeverhalten des Einzelhandels abhängig. Ein Anstieg bei Kindern kann daher auch bedeuten, dass häufiger Anzeige erstattet wird.
Die aktuelle Aufmerksamkeit für Diebstahl speist sich aus einem Kontrast: Die Gesamtzahl der Diebstahlsdelikte sinkt, während einzelne Bereiche wie Wohnungseinbruch, Taschendiebstahl, Ladendiebstahl und Kraftstoffdiebstahl steigen oder durch spektakuläre Fälle auffallen. Ein allgemeiner Anstieg der Kriminalität lässt sich aus der PKS 2025 nicht ablesen. Der „Trend“ ist daher eher ein Medien- und Wahrnehmungsthema als ein statistischer Gesamtanstieg.
Die genannten Fallzahlen beziehen sich auf Deutschland und das Berichtsjahr 2025. Die PKS 2025 wurde am 20. April 2026 veröffentlicht, die nächste PKS 2026 wird voraussichtlich im April 2027 erscheinen. Einzelfälle aus dem Oktober 2026 sind regionale Ereignisse und nicht repräsentativ für die Bundesrepublik. Wer regionale Vergleiche anstellen will, sollte die jeweiligen Länderdaten heranziehen.
Aus der PKS 2025 lässt sich nicht ablesen, wie sich die Zahlen 2026 entwickeln. Die Statistik erfasst nur angezeigte Taten, weshalb das Dunkelfeld insbesondere bei Taschendiebstahl, Fahrraddiebstahl und Einbruch groß ist. Auch die EHI-Studie arbeitet mit Schätzungen zu unentdeckten Fällen. Aussagen über Ursachen oder Wirksamkeit von Maßnahmen sind mit diesen Daten nicht belegbar.
Bei Diebstahl ist eine Anzeige bei der Polizei der übliche erste Schritt, auch wenn die Aufklärungsquote je nach Delikt niedrig ist. Für Fahrräder und Fahrzeuge können Eigentumsnachweise und Rahmennummern die Bearbeitung erleichtern. Bei Einbruch sollten Spuren nicht verändert werden, bis die Polizei eintrifft. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Die PKS 2025 zeigt insgesamt rückläufige Diebstahlszahlen, aber steigende Fallzahlen bei Wohnungseinbruch und Taschendiebstahl sowie anhaltend hohe Dunkelziffern im Handel. Spektakuläre Einzelfälle im Oktober 2026 haben das Thema zusätzlich in die Öffentlichkeit gerückt. Neue bundesweite Daten wird die PKS 2026 voraussichtlich im April 2027 liefern. Bis dahin bleiben Aussagen über einen anhaltenden Trend spekulativ.